Was heisst arm sein in der Schweiz?

Dies war das Thema des 7. Firmwegabends.
«Ein aktuelles und wichtiges Thema, welches jeden betreffen kann. Es war sehr spannend und abweschslungsreich mit den Gästen.  Alle haben sich gut beteiligt. Mir wurde bewusst: Armut kann jeden treffen, auch wenn es einem finanziell gut geht.» So lautete das Feedback einer Firmandin.

Ausgangspunkt des Abends waren Franz und Chiara von Assisi. Die jungen Leute hatten von der Assisireise her noch gut in Erinnerung, wie sich diese beiden jungen Leute, welche bis ins junge Erwachsenenalter keine materielle Armut kannten, ihr Leben total umgestellt hatten und sich ganz für die Armen und Kranken in ihrer Umgebung einsetzten.

 

Armut in der Schweiz?!

„Armut hat viele Gesichter“ so lautete die Überschrift auf einem Blatt, wo die jungen Menschen erfuhren, dass in der Schweiz über 1 Mio Menschen von Armut betroffen sind, konkret heisst das z. B. dass jedes 7. Kind diese Realität selbst erfahren muss. Die jungen Menschen überlegten einmal, was denn arm sein in der Schweiz heisst und wer denn diese Menschen sind. Hier ein Querschnitt ihrer  Aussagen:

„Arm ist man, wenn man nur auf dem Existenzminimum lebt, ohne irgendwelchen Luxus“
„Arm ist  man, wenn man die normalen Rechnungen nicht mehr bezahlen kann.“
„Arm ist man z. B. mit einem schweren Einstieg als Asylbewerber“
„Arm ist man, wenn das Einkommen nicht für eine Familie reicht.“
„Arm sind Menschen, die viele Schicksalsschläge erleiden mussten.“
„Arm sind Menschen, die kein soziales Umfeld, keine Familie haben.“
„Es gibt verschiedene Arten von Armut, einerseits finanziell, aber auch körperlich, sozial oder mental. Wer aber finanziell Artist, lebt meist am Existenzminimum.“
„In Armut kann man geraten, wenn man Drogen konsumiert, oder krank ist, oder  nicht mit dem Geld umgehen kann, oder bereits in ärmlichen Verhältnissen geboren wird.“

 

Wenn der Boden unter den Füssen wegbricht…

Christian war als Gast am Abend zugegen, als jemand, der die Erfahrung von Armut in mehrfacher Hinsicht gemacht hatte.

Er erzählte aus seinem Leben, wie er bei den Grosseltern aufwuchs und nie wusste, wer sein Vater war, aber trotz schwieriger Jugend seinen Weg gemacht hat.

Als er dann im Erwachsenenalter erfuhr, dass sein Grossvater sein Vater war, indem dieser seine eigene Tochter vergewaltigt hatte, brauch für ihn eine Welt zusammen. Dies brachte ihn aus dem Tritt und weil seine Freundin Drogen konsumierte, begann er auch damit. Es folgte eine 17 Jahre dauernde Drogenkarriere, mit Obdachlosigkeit, Verwahrlosung, Leben am Rand der Gesellschaft, wo er viele Formen der Armut am eigenen Leib erlebte.

Ein guter Arzt in einer psychiatrischen Klinik, eine Selbsthilfegruppe und auch sein christlicher Glaube halfen ihm schliesslich von den Drogen wegzukommen. Seit vielen Jahren ist er clean und engagiert sich seither selber in der Arbeit für Armutsbetroffene, Obdachlose und Drogensüchtige.

Die jungen Menschen hatten der Geschichte von Christian ganz gebannt zugehört und waren tief bewegt und beeindruckt. „Das Thema war sehr spannend. Es war gut, es von jemandem zu hören, der durch diese Hölle gegangen ist.“ so das Feedback eines der jungen Menschen.

 

Projekt für Armutsbetroffene auf die Beine stellen

Anschliessend erhielten die jungen Menschen als Gruppen die Aufgabe ein konkretes Projekt für Armutsbetroffene auf die Beine zu stellen, mit folgender Ausgangslage:

Ihr als Gruppe könnt euch 1 Monat lang von eurer Ausbildung ganz ausklinken, habt die ganze Zeit zur Verfügung ein Hilfs-Projekt für Armutsbetroffene auf die Beine zu stellen. Dafür hättet ihr ein Budget von Fr. 10’000.- zur Verfügung.

Mit viel Elan machten sich die Gruppen an die Arbeit. Es wurde intensiv diskutiert und geplant. Anschliessend stellte jede Gruppe ihr Projekt den anderen vor. Christian und sein Kollege Micha, der ebenfalls als ehemals Armutsbetroffener in Hilfsprojekten für Armutsbetroffene mitarbeitet, gaben dann Rückmeldungen zu den Projekten: Was ist gut daran, wo haben die Jugendlichen gut erkannt, wo und wie man wirklich helfen kann und was funktioniert weniger gut oder ist so nicht nötig.

Damit fand ein spannender Abend seinen Abschluss. Die Bewertung in den anschliessenden Feedbacks war entsprechend sehr positiv.

 

Feedbacks:

«Wichtiges Thema, das viel zu wenig thematisiert wird. Die Umsetzung war gut, weil jeder sich zuerst selber Gedanken machen konnte. Spannende Ideen für Projekte sind entstanden. Mir wurde bewusst: Geld macht niemanden aus und man soll allen Wertschätzung schenken.»

«Ein aktuelles und wichtiges Thema, welches jeden betreffen kann. Es war sehr spannend und abweschslungsreich mit den Gästen.  Alle haben sich gut beteiligt. Mir wurde bewusst: Armut kann jeden treffen, auch wenn es einem finanziell gut geht.»

«Gutes Thema, spannende Diskussion. Spannend war auch die Geschichte von Christian. Mir wurde klar: Armut kann sehr verschieden aussehen.»

«Das Thema war spannend und die Umsetzung abwechslungsreich. Wir haten eine top-Gruppe. Ich nehme für mich mit, was Armut bedeuet.»

«Es hat mir sehr gefallen, so ehrlich mit unserren Gästen, sehr eindrücklich, wie schlimm Drogen sind. Die Gruppenarbeit mit dem Projekt hat mir auch gefallen. Wir hatten eine sehr gesprächige und aufrichtige Gruppe. Mir wurde bewusst: Nimm keine Drogen.»

«Sehr eindrücklich, spannend, interessant, wichtig darüber zu sprechen. Was die zwei erzählt haben, war sehr eindrücklich. Alle in der Gruppe haben sich recht gut gemeldet. Ich nehme die eindrucksvolle Geschichte mit, dass Armut auch in der Schweiz präsent ist.»

«Ich fand es ein spannendes Thema, vor allem im Bezug auf die Geschichten. Ich fand es toll, dass Gäste aus ihrem Leben erzählt haben. Unsere Präsentation ist gut gelungen. Ich nehme die spannenden Geschichten mit. Armut gibt es auch in der Schweiz.»

«Ich fand das Thema sehr spannend, da sehr viele darunter leiden. Ich fand es toll, dass wir ein konkretes Beispiel hören durften. Wir hatten eine sehr tolle, lustige und aufmerksame Gruppe. Ich nehme mit, dass ich in Zukunft auf solche Dinge schaue.»

«Das Thema war gut, eine Geschichte, die man nicht oft hört. Wir haben viel geredet und Fragen gut beantwortet. Wir haben auch ein gutes Projekt geplant. Ich nehme mit, dass ich das schätze, was ich habe.»

«Das Thema habt ihr sehr gut getroffen und sehr toll umgesetzt, unsere Gruppe war sehr offen. Mir wurde klar: Man soll nichts für selbstverständlich nehmen.»

«Ich finde das Thema sehr spannend und wichtig. Die Gäste waren eindrücklich. Ich habe die Gruppe gut erlebt. Ich nehme für mich mit: Dass Geld kein Tabu-Thema sein sollte.»

«Sehr spannend, über Christians Leben zu erfahren, cool dass er selbst da sein konnte. Ich nehme mit, nie mit Drogen zu beginnen.»

«Ich fand das Thema interessant, die Leitung war gut und auch die Gruppe. Ich nehme die Geschichte von Christian mit.»

«Das Thema war sehr spannend und eindrücklich und die Umsetzung super! Unsere Gruppe war konzentriert. Mir wurde bewusst, dass nicht alles immer einfach ist.»

«Thema war gut, spannende Geschichte, der Abend war abwechslungsreich und die Gruppe Top, cool! Mir wurde an diesem Abend klar, was Armut bedeutet.»

«Das Thema war sehr spannend. Ich habe auch die Umsetzung gut gefunden. Unsere Gruppe war sehr lebendig. Mir wurde klar: Man kann auch arm sein, wenn man materiell reich ist.»

«Das Thema war sehr spannend und auch die Geschichte von Christian. Die Umsetzung war gut wie immer, ebenso die Gruppe. Ich nehme mit, dass die Armut bei uns ein ernstes Thema ist.»

«Die beiden Gäste konnten viel erzählen und mir wurde bewusst, dass das Leben auch anders aussehen kann. Ich höre gerne zu und man musste nicht viel schreiben. Wir hatten eine tolle Gruppe.»

«Das Thema war sehr spannend. Es war gut, es von jemandem zu hören, der durch diese Hölle gegangen ist. Wir hatten eine positive Gruppe. Ich nehme mit: Niemals Drogen konsumieren.»

Es ist ein wichtiges Thema. Christians Geschichte war sehr eindrücklich. In der Gruppe sind wir auf viele gute Ideen gekommen. Mir wurde bewusst, dass Armut jeden treffen kann.»

«Es war sehr eindrücklich von Betroffenen zu hören. Es wurde effektive Erlebnisse geschildert und nicht nur Annahmen. Das Klima in unserer Gruppe war super. Mir wurde bewusst, dass auch in der Schweiz viel Armut vorhanden ist und ich den Luxus mit meinem hohen Lebensstandard schätzen muss.»

«Es war sehr spannend, vor allem die Geschichte von Christian. Die Projektvorträge waren meiner Meinung nach ein bisschen unnötig, jedoch war der Rest sehr eindrücklich. Wir konnten gut miteinander diskutieren und arbeiten. Mir wurde klar, dass ich nie Drogen konsumieren werde!»

«Das Thema fand ich sehr gut, ich fand es auch spannend von Leuten zu hören, die mal in so einer Situation waren. Alle in der Gruppe haben sich gut eingesetzt. Mir wurde klar, dass es nicht selbstverständlich ist, dass man alles hat.»